Autor
Aktuelles
Kalender
<< Apr 2022 >>
MDMDFSS
28 29 30 31 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 1
Termine
  • Keine Termine

Arno Dahmer

Neuer Roman

Am Einstieg der „Action Directe“ (siehe unten) …

Neues Projekt

Während mein letzter Roman noch seiner Veröffentlichung harrt, habe ich mich schon tief in den nächsten hineingearbeitet. Darin werde ich mich noch einmal mit dem Thema Sportklettern auseinandersetzen (Felsklettern unter sportlichen Gesichtspunkten, normalerweise nicht in den (hohen) Bergen). „Noch einmal“ in dem Sinne, dass ich bereits vor Jahren einen fiktionalen „Kletter-Text“ geschrieben habe („Die andere Wirklichkeit“, eine der längeren Erzählungen in „Manchmal eine Stunde, da bist Du“). Ebenso wenig wie damals soll es aber primär um Sport gehen – vielmehr, soweit ich das schon absehen kann, um die Geschichte einer Freundschaft.

„Die Ärzte“

Darüber hinaus wird die Band „Die Ärzte“ in dem Roman eine gewisse Rolle spielen. Wer sowohl meine Texte als auch die Band kennt, hätte das vermutlich nicht erwartet. Aber, eigensinnig wie ich bin, ist wahrscheinlich genau das einer der Gründe, die mich auf diese Idee brachten.

Ausschnitt aus der „Die Ärzte“-Diskografie …

Fränkische Schweiz

Im Februar war ich für Recherchen in der Fränkischen Schweiz (Hauptschauplatz des Romans). Nur relativ wenige wissen, dass der idyllische, etwas verschlafene Landstrich zwischen Nürnberg, Bamberg und Bayreuth eines der besten Sportklettergebiete der Welt ist – vielleicht das beste. – In den nächsten Tagen werde ich noch einmal dorthin fahren, um etwas Sommeratmosphäre „einzufangen“ …

„Der Meister“

Das Bild oben zeigt den „Waldkopf“ (Name des Felsens), an dem sich die berühmte Route „Action Directe“ befindet (hat nichts mit der gleichnamigen Terrororganisation zu tun …). Die Begehungsgeschichte dieser Route ist märchenhaft: Wolfgang Güllich, die deutsche Kletterlegende (auch „der Meister“ genannt), durchstieg die Route 1991 als Erster und bewertete sie mit dem neuen Schwierigkeitsgrad „XI“ (zuvor hatte die Schwierigkeitsskala nur bis „XI-“ gereicht). Kurz darauf kam er bei einem Autounfall ums Leben. Güllichs „Erbe“, die „Action Directe“, ließ die Weltelite der Kletterer vier Jahre lang abblitzen – kein Einziger war in der Lage, die Leistung des „Meisters“ noch einmal zu vollbringen. Das gelang erst Alexander Adler im Jahr 1995. Doch bis zur dritten Wiederholung dauerte es weitere fünf Jahre. – Seither hat sich allerdings einiges getan: Die Route wurde mittlerweile 28-mal geklettert …

Fingerloch im Einstiegsbereich der „Action Directe“
– vermittelt eine gute Vorstellung von der durchschnittlichen Griffgröße …

Wäre ein Autor wie Handke heute noch möglich?

Situation auf dem Buchmarkt

Meinem Eindruck nach erscheinen in großen deutschen Verlagen kaum noch literarische Werke, die nicht (mindestens) einem der folgenden Kriterien entsprechen:

  • Der Autor / Die Autorin hat sich schon vor mehreren Jahrzehnten etabliert. (Bitte im Folgenden die weibliche Form immer mitdenken! Zu viele Schrägstriche, Doppelpunkte o. Ä. stören den Lesefluss, finde ich zumindest.)
  • Der Autor schreibt in einem Genre oder sehr „unterhaltend“ (in einem buchhändlerischen Sinne).
  • Der Autor ist der bekannte Sänger/ Fernsehmoderator/ Kolumnist / … X.
  • Er schreibt über den Nationalsozialismus, die DDR (bzw. die sog. Nachwendezeit) oder Migrationserfahrungen. (Diese Themen sind natürlich ehrenwert. Und es gab und gibt hervorragende Umsetzungen – spontan fallen mir „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers und „Als wir träumten“ von Clemens Meyer ein.)
  • Er widmet sich einem anderen Thema, das in den Medien schon stark vertreten ist. Oft verbürgen dabei persönliche Erfahrungen „Authentizität“ und schaffen Aufmerksamkeit. In den Feuilletons liest man dann Sätze wie: „Der Schriftsteller X schreibt über Depressionen. Er weiß, wovon er spricht“ oder „Y war jahrzehntelang Mitglied der rechtsextremen Kameradschaft Z. Bis er ausstieg und diesen Roman verfasste.“

Beispiel Peter Handke

Einmal vorausgesetzt, dieser Eindruck spiegelt etwas Wahres wider, stellt sich mir folgende Frage: Wäre ein Autor wie Peter Handke heute noch „möglich“? Ein Schriftsteller also, der experimentelle, eher schwierig zu lesende Prosa schreibt, zudem ohne deutlichen Bezug zum Tagesgeschehen. – Oder, umständlicher, aber präziser formuliert: Wäre die literarische Karriere eines Peter Handke heute noch denkbar (Suhrkamp-Autor, lebt (vermutlich) gut von seinen Büchern, die in den Feuilletons der großen Tageszeitungen besprochen und (hie und da) sogar in der Schule gelesen werden)?

Gründe

Wenn man diese Frage verneint, ergibt sich daraus eine weitere, nämlich die nach den Gründen.

  • Haben die angenommenen Veränderungen mit der sinkenden Zahl der Leser/Buchkäufer zu tun, durch die sicher auch die Zahl derer geschrumpft ist, die „Literaturliteratur“ schätzen bzw. kaufen? Oder hat sich letztere Gruppe sogar überproportional verkleinert? (Wenn ja: Warum?)
  • Liegt es daran, dass „80 Prozent der literarischen Bücher aus drei Konzernen kommen“? (Wie Michael Krüger, der frühere Geschäftsführer des Hanser-Verlags, 2010 in einem Interview konstatierte; der Prozentwert mag sich mittlerweile noch erhöht haben.)
  • Ist das Phänomen zu einem Teil damit zu erklären, dass sich die Grenzen zwischen Belletristik und Sachliteratur/Journalismus verwischen?

Letztlich traue ich mir nicht zu, die Frage nach dem Warum schlüssig zu beantworten. Ich wäre aber gespannt auf Erklärungsansätze eventueller Leser dieses Beitrags.

(Anmerkung: Handke ist nur ein Beispiel. Bitte keine Jugoslawien-Debatte 🙂 … Dazu könnte ich auch nichts beitragen, da ich seine Jugoslawien-Texte nicht kenne.)

Essay Peter Kurzeck

Da sich die Webadresse geändert hat, setze ich hier noch einmal einen Link zu meinem Essay über den von mir sehr geschätzten Peter Kurzeck (1943-2013). Der Text wurde 2018 auf der Seite „Faust-Kultur“ publiziert und es geht darin um das eigenartige Verhältnis zwischen dem Leser und dem Verfasser (unmittelbar) autobiografischer Literatur.

Arno Schmidts „Schwarze Spiegel“

Kürzlich stieß ich zufällig auf Arno Schmidts „Schwarze Spiegel“. Ich weiß, dass Arno Schmidt – speziell unter Autoren – zahlreiche glühende Verehrer hat. Ich mochte ihn nie besonders, trotz seines Vornamens … 🙂 . Diese Erzählung aber (rund sechzig Seiten) hat mir gefallen. Nebenbei bemerkt ist der 1951 erschienene Text, angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage, eine beunruhigende Lektüre.

Der Ich-Erzähler – der (wie der Leser zunächst annimmt) einzige Überlebende eines Atomkriegs – ist mit dem Fahrrad in Norddeutschland unterwegs und fahndet nach noch verzehrbaren Lebensmitteln und Munition für seine Waffen, später auch nach Möbeln und Bildern für das Holzhaus, das er sich gebaut hat. Er scheint bei alledem vergnügt und vermisst den Rest der Menschheit offenbar nicht. Als jedoch nach sieben Jahren ohne Gesellschaft überraschend ein anderer Überlebender auftaucht (eine Frau), wird deutlich, dass ihm (dem Erzähler) wohl doch etwas gefehlt hat. Blöd nur, dass dieser weibliche „Freitag“, „entwurzelt durch 3 Kriege“ (S. 244), nach kurzer Zeit genug von der Gemeinschaft hat und weiterzieht. Der Erzähler bleibt allein zurück: „Gegen Morgen kam Gewölk auf (und Regenschauer). Frischer gelber Rauch wehte mich an: mein Ofen! So verließ ich den Wald und schob mich ans Haus: der letzte Mensch“ (ebenda).

Dieses Wenige an Handlung ist in das Arno-Schmidt-typische sprachexperimentelle Gewand gekleidet. Insbesondere die Naturbeschreibungen in „Schwarze Spiegel“ haben mich beeindruckt, wobei ich manches als zu gewollt empfinde.

Quellennachweis für die Zitate und das Titelbild: siehe unten.

Bloggen – das Gegenteil von Literatur?

Lange Zeit hielt ich Blogs in etwa für das Gegenteil von Literatur: schnell hingeschrieben, kurze Halbwertszeit. Mittlerweile habe ich mir verschiedene Blogs angeschaut, u. a. die von Alban Nikolai Herbst und Rainald Goetz (nicht mehr online verfügbar, aber als Buch mit dem Titel „Abfall für alle“ erhältlich) sowie den des verstorbenen Wolfgang Herrndorf. Dabei ist mir deutlich geworden, dass ein Blog ja im Grunde eine völlig offene Form ist, in die fast alles hineingeht – sei es nun SMS-artiges oder Hochelaboriertes. Gleichzeitig hat mir die Lektüre Lust gemacht, das Bloggen auf dieser Seite etwas zu intensivieren, mich also nicht (wie bisher) darauf zu beschränken, Neuigkeiten aus meinem Leben als Autor mitzuteilen – sporadisch und mit knappen Worten.

Was dabei herauskommen wird – etwa mit welcher Frequenz ich bloggen werde –, kann ich im Moment noch nicht absehen. Auf jeden Fall werde ich einen (für mich) passenden Ton finden müssen. So langsam und sorgfältig wie ich meine sonstigen (literarischen) Texte schreibe, werde ich hier nicht schreiben können. Darin würde ich einen Widerspruch zum Grundgedanken des Bloggens sehen – der mir in einem gewissen Maß an Regelmäßigkeit und Aktualität zu bestehen scheint (einmal angenommen, das stimmt so, ist das „Genre“ des Blogs vielleicht doch weniger regellos als oben behauptet …). – Könnte auch sein, dass ich irgendwann zu dem Schluss komme, dass Bloggen doch keine Ausdrucksform ist, die für mich geeignet wäre.