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Route Magnet

2. Recherchereise Roman

Ja, ich gebe zu, „Recherchereise“ klingt pompös … Aber wie auch immer man es bezeichnen will, war ich jedenfalls Anfang Juli noch einmal im Frankenjura, um Schauplatzinformationen für meinen neuen Roman zu sammeln (in dem das sog. Sportklettern, insbesondere in der Fränkischen Schweiz, eine wichtige Rolle spielen soll). Dieses Mal ging es mir vor allem um die im Vergleich zum Winter (natürlich) ganz anderen Farben, Gerüche und Geräusche – Dinge also, die ja in der Regel wesentlich sind, um einen Ort auf dem Papier lebendig werden zu lassen, und die sich aus der Erinnerung oft nicht in befriedigender Weise rekonstruieren lassen.

Der Richard-Wagner-Fels

Der Richard-Wagner-Fels heißt witzigerweise deshalb so, weil sein „Profil“ bei genauerem Hinsehen eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem des Komponisten hat … So unspektakulär der Fels aussieht, beherbergt er doch einige der berühmtesten Routen des Frankenjura: „Fight Gravity“, „Magnet“, „Amadeus Schwarzenegger“ …

Route „Magnet“ (Schwierigkeitsgrad IX)

Direkt neben der Route „Magnet“ befindet sich die noch bekanntere Route „Fight Gravity“ – da dort aber der Routenname nicht angeschrieben ist, wäre das ein weniger interessantes Foto-Motiv gewesen … Der kleine Punkt über meinem Kopf (war einmal grün, wirkt nun, ausgeblichen von der Sonne, allerdings eher blau) bedeutet, dass dieser Anstieg auch „clean“ bewältigt wurde: ohne die fixen Haken zu benutzen, die es in der Route gibt; gesichert stattdessen mit mobilem Material (etwa mit Klemmkeilen). – Was ich, als dieses Foto entstand, noch nicht wusste, war, dass ich den Urheber des grünen Punkts, den ersten (und meines Wissens einzigen) „Clean-Begeher“ von „Magnet“, rund drei Wochen später persönlich kennenlernen würde … Er hat mir übrigens sehr geholfen bei einer Dialektpassage, die in dem Roman vorkommen soll (… Fränkisch … oder vielmehr: Frränggisch 🙂 …). Ich grüße Heiko Queitsch an dieser Stelle herzlich!

Wandbuch von außen

Eine schöne Tradition – die wohl vom Bergsteigen, dem Vater des Sportkletterns, herstammt – sind die Wandbücher. Man begegnet ihnen in den Mittelgebirgen relativ selten und eher in den größeren und schon vor langer Zeit durchstiegenen Wänden. Ein Wandbuch ist eine Art Gästebuch in einem (mehr oder weniger) wetterfesten Behältnis, das an einem höheren Punkt in der Wand angebracht wird. – Dieses (siehe Bild oben bzw. unten) fand ich am Fuß des „Erlanger Felsentors“; es scheint herabgefallen zu sein. Wie auch immer es genau befestigt gewesen sein mag, ist irgendein tragendes Teil offenbar durchgerostet. Vor kurzem war das Buch aber anscheinend noch in Gebrauch – oder wird nun einfach hier unten benutzt. Womit dann allerdings nicht mehr klar wäre, ob der Sich-Eintragende die Route überhaupt geklettert ist …

Letzte Einträge ins Wandbuch am „Erlanger Felsentor“ …